Bildung

Bildung in Bayern: Beschlüsse und Initiativen

Kabinettssitzung in der Staatskanzlei

 

Kraftvolle Investitionen unterstreichen Bayerns Anspruch als Bildungsland Nummer 1 in der „Bildungsrepublik" Deutschland. Die Staatsregierung hat mit dem Doppelhaushalt 2009/2010 insgesamt 2 280 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen und investiert mit dem Doppelhaushalt 2011/2012 weiterhin massiv in den Bereich Bildung. 

Das Kabinett hat folgende Grundsatz-Beschlüsse in der Bildung gefasst:

Ganztagsschulen

  • Die Staatsregierung sieht zusammen mit den kommunalen Spitzenverbänden den Ausbau eines flächendeckenden und bedarfsorientierten Angebots an Ganztagsschulen in allen Schularten als vorrangig an. Es ist zudem ein wichtiger Beitrag, das bayerische Bildungswesen zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Das ermöglicht mehr individuelle Förderung, mehr Chancengerechtigkeit für Schüler sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  • Bis zum Ende der Legislaturperiode sind gebundene Ganztagszüge für 540 Grundschulen, 600 Haupt-/Mittelschulen und alle 186 Förderzentren grundsätzlich in allen Jahrgangsstufen, ebenso für alle Realschulen und alle Gymnasien in den Jahrgangsstufen 5 und 6 vorgesehen; ebenso für die Wirtschaftsschulen in einer Jahrgangsstufe. Die Priorität beim Ausbau der gebundenen Ganztagsangebote lag bisher bei den Grund-, Haupt-/Mittel- und Förderschulen. Ab dem Schuljahr 2011/2012 werden auch an Realschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien flächendeckend und bedarfsorientiert gebundene Ganztagsangebote eingerichtet.
  • Darüber hinaus werden weiterhin bedarfsgerecht offene Ganztagsangebote an Realschulen, Wirtschaftsschulen, Gymnasien, Haupt-/Mittelschulen und Förderschulen (Hauptschulstufe) eingerichtet. An Grundschulen gibt es weiterhin das Angebot der verlängerten Mittagsbetreuung.
  • Der Ausbau der Ganztagsschulen geht weiter voran. Im Bereich der offenen und gebundenen Ganztagsbetreuung gibt es bayernweit eine große Nachfrage. Bisher konnten alle genehmigungsfähigen Anträge auf Einrichtung eines Ganztagsangebotes genehmigt werden.

Weiterentwicklung der Hauptschule - die neue Bayerische Mittelschule

Bayern setzt weiterhin auf eine starke Hauptschule. Ziel ist es, künftig die Hauptschule in Bayern flächendeckend allein oder in Schulverbünden zu Mittelschulen weiterzuentwickeln. Die neue Bayerische Mittelschule verbindet die Merkmale Berufsorientierung und mittlerer Schulabschluss. Zum Schuljahr 2010/2011 sind 587 Hauptschulen als Mittelschulen gestartet, das heißt rund 60 Prozent aller Hauptschulen haben bereits den Status Mittelschule erworben. Weitere Anträge zur Einrichtung von Mittelschulen liegen bereits vor oder werden erwartet. Die Mittelschule bietet Eltern und Kindern die Möglichkeit, die individuelle Entwicklung abzuwarten. Sie können sich ohne Vorwegfestlegung von Bildungschancen zu einem späteren Zeitpunkt auf einen bestimmten Abschluss hin orientieren.

 In dem Konzept für die Einrichtung der Mittelschulen sind insbesondere folgende Punkte vorgesehen:

  • Berufliche Orientierung: Vertiefte Berufsorientierung ist das besondere Merkmal der Bayerischen Mittelschule. Dies gewährleisten insbesondere die drei berufs-orientierenden Zweigen Technik, Wirtschaft und Soziales sowie die Kooperationen mit Berufsschule, regionaler Wirtschaft und der Agentur für Arbeit. Für die vertiefte Berufsorientierung investiert der Freistaat zusätzlich rund 6 Millionen Euro pro Jahr. 80 Lehrkräfte vernetzen bayernweit die Haupt- beziehungsweise Mittelschulen mit der Wirtschaft.
  • Breites begabungsgerechtes Förder- und Abschlussangebot: Die begabungsgerechte individuelle Förderung der Schüler wird ausgebaut. Insbesondere investiert der Freistaat in die Förderung der Schüler in Deutsch, Englisch und Mathematik. Die Kernkompetenzen werden gefördert in den Jahrgangsstufen 5 und 6 mit speziellen Übungseinheiten im Klassenverband, in den Jahrgangsstufen 7 und 8 über zusätzliche Differenzierungsstunden, in den Jahrgangsstufen 9 und 10 über eigene Klassen. Auch ein Ganztagsangebot steht an der Mittelschule beziehungsweise innerhalb eines Mittelschulverbundes mehrerer Schulen immer zur Verfügung. Das kann ein offenes oder gebundenes Ganztagsschulangebot sein. Hinzu kommen bedarfsgerechte Sprachförderung und kleinere Klassen bei einem hohem Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund. Anknüpfend an die begabungsgerechte Förderung der Schüler auf unterschiedlichen Niveaustufen bietet die Mittelschule ein differenziertes Abschlussangebot an. An der Mittelschule können die Schüler wie bisher den erfolgreichen oder den qualifizierenden Hauptschulabschluss, den neuen Praxisklassenabschluss mit theorieentlastetem Zuschnitt und den neuen mittleren Bildungsabschluss erwerben. Der neue Mittelschulabschluss ist mit dem Niveau von Wirtschafts- oder Realschule vergleichbar. Er steht Schülern offen, die ab dem Schuljahr 2010/2011 in die 5. Jahrgangsstufe kommen.
  • Schulverbünde sichern Bildungsqualität und Schulstandorte:Die Mittelschule muss das breit gefächerte Bildungsangebot garantieren. Schulen, die das nicht allein gewährleisten, können in eigenverantworteten Schulverbünden zusammenarbeiten. Eine Mindestgröße der Verbünde ist nicht vorgegeben. Die Schulverbünde eröffnen die Chance, so viele Hauptschulstandorte in ländlichen Regionen so lange wie möglich zu erhalten und wohnortnahe Bildungsangebote für die jungen Menschen in Bayern zu sichern. Die Bildung der Schulverbünde gelingt am besten im Dialog der Beteiligten vor Ort. Zu diesem Zweck wurden von Juli 2009 bis November 2011 über 80 Dialogforen auf Landkreisebene und in den meisten kreisfreien Städten durchgeführt. Ihr Auftrag war es, auf der Grundlage des bestehenden Schulsystems mit den Beteiligten vor Ort passgenaue Lösungen für die freiwillige Zusammenarbeit der Hauptschulen in Schulverbünden im Hinblick auf die Entwicklung zur Mittelschule abzuwägen und zu erörtern. Die in den Dialogforen gewonnenen Erkenntnisse und Verbesserungsvorschläge werden bei nachträglichen Anpassungen berücksichtigt.

Schulversuch Kooperationen von Haupt- und Realschulen

Um Möglichkeiten zur Kooperations zwischen Hauptschule und Realschule zu erproben, starteten im Schuljahr 2009/2010 Modellversuche an Schulen in allen Regierungsbezirken Bayerns. Im Schuljahr 2010/2011 bestehen insgesamt 17 Kooperationsmodelle zwischen Haupt-/Mittelschulen und Realschulen . Die Kooperationsmodelle erhöhen die Durchlässigkeit des differenzierten Schulsystems in Bayern - bei Wahrung der Eigenständigkeit der Schularten - und steigern die Attraktivität von Schulen im ländlichen Raum.

Im Rahmen der Kooperationsmodelle kann das Begabungspotenzial der Schüler noch besser erkannt und gefördert werden. Damit wird die Chancengerechtigkeit für jeden einzelnen Schüler gesichert.

  • Schüler von Haupt- und Realschule können im Rahmen der Kooperation beispielsweise gemeinsam Intensivierungsangebote belegen, die Lehrkräften von Haupt- und Realschulen bei den Ganztagsangebote unterbreiten. Haupt- und Realschulen bleiben als eigenständige Schularten erhalten.
  • Im Rahmen der Kooperationsmodelle zwischen Hauptschule und Realschule können die Schulen den Übertritt von Schülern von der 5. und 6. Klasse Hauptschule in die nächst höhere Jahrgangsstufe der Realschule mit zusätzliche Intensivierungskurse fördern und schwächere Realschüler an ihrer Schule stabilisieren.
  • Die Kooperationsmodelle werden im Einvernehmen mit den betroffenen Schulaufwandsträgern, Schulen und Eltern realisiert . Schwerpunktmäßig sind Kooperationsmodelle dort eingerichtet, wo Ganztagszüge bestehen und zusätzliche kreative Angebote unterbreitet werden.

Weiterentwicklung des Übertrittsverfahrens

  • Seit dem Schuljahr 2009/2010 wird das kind- und begabungsgerecht weiterentwickelte Übertrittsverfahren angewendet. Die bisher punktuelle Übertrittsentscheidung wurde zu einer breiteren, von der 3. bis zur 5. Jahrgangsstufe reichenden Übertrittsphase, ausgestaltet.
  • Für die Schüler wurde der Übertritt entzerrt, die Elternverantwortung gestärkt, die individuelle Förderung ausgebaut und die Beratung verbessert , ohne die bayerischen Qualitätsstandards zu beeinträchtigen. Neben einem Übertrittszeugnis für alle Schüler der Jahrgangsstufe 4 bieten alle weiterführenden Schulen den Kindern in der Jahr-gangsstufe 5 (Gelenkklasse) zusätzliche individuelle Fördermöglichkeiten.

Integration

Mit einem Gesamtkonzept werden Bayerns Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund stärker bei der Integration ins Schulleben unterstützt und ihnen zu mehr Bildungserfolg verholfen. Das Gesamtkonzept ist eine Optimierung bestehender Einzelmaßnahmen, ihre Bündelung sowie einen zielgerichteten Ausbau des Förder- und Integrationsangebots. Schwerpunktbereiche sind unter anderem:

  • Stärkung der Sprachkompetenz (vorschulisch und schulisch)
  • Stärkung der interkulturellen Kompetenz
  • Ausbau der Ganztagsbetreuung 
  • Senkung der Klassenhöchststärken, wenn der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund besonders hoch ist
  • Modellversuch „Islamischer Unterricht"

Die Kabinettsbeschlüsse schließen sich als integrative Bausteine einer Bildungsoffensive an folgende bereits beschlossene Maßnahmen der Bayerischen Staatsregierung an:

  • Bildungsausgaben
    Die Staatsregierung hat mit dem Doppelhaushalt 2009/2010 zusätzliche 2 280 Lehrerstellen geschaffen und investiert mit dem Doppelhaushalt 2011/2012 weiterhin massiv in den Bereich Bildung. Insbesondere werden in jedem Schuljahr 1 000 zusätzliche Stellen für zusätzliche Aufgaben bereit gestellt.
  • Begabtenförderung
    Die Förderung von besonders begabten Schülern wird verstärkt: Unter anderem werden besondere Begabungen an den Grundschulen gefördert und in jedem Regierungsbezirk ein Hochbegabtenzug an einem Gymnasium eingerichtet.
  • Achtjähriges Gymnasium
    Das bayerische Gymnasium ist in den letzten Jahren neu gestaltet worden: Neue Fächer tragen der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung Rechnung. Ein erweitertes Fremdsprachenangebot antwortet auf die Herausforderung der Globalisierung. Neue Methoden forcieren selbstständiges Lernen. Intensivierungsstunden und ganztägige Betreuung verstärken die individuelle Förderung. Die neue Oberstufe macht mit wissenschaftlichen Methoden vertraut und betont Projektarbeit und Teamfähigkeit. Es hat sich einiges geändert. Die Bayerische Staatsregierung begleitet die konzeptionellen Neuerungen mit einem systematischen Monitoring. So kann sie Schwierigkeiten bei der Umsetzung rasch erkennen und die Schulen mit geeigneten Maßnahmen unterstützen. Ein  wesentliches Anliege ist es, die inhaltlichen und zeitlichen Anforderungen an die Schüler angemessen zu gestalten. Ein deutlich höherer Anteil eines Schülerjahrgangs besucht heute das bayerische Gymnasium als noch vor wenigen Jahren. Den Schülern bietet es dabei mehr als den direkten Weg zu Abitur und allgemeiner Hochschulreife. Es vermittelt eine umfassende Bildung, solides Wissen und die Fähigkeit das Wissen verantwortungsbewusst anzuwenden. Das bayerische Gymnasium bleibt eine anspruchsvolle Schule, die viel bietet, aber auch Einsatz und Leistungsbereitschaft fordert. Die hervorragenden Ergebnisse beim jüngsten Ländervergleich sind für die Bayerische Staatsregierung Ansporn, die erfolgreiche Tradition des bayerischen Gymnasiums fortzusetzen und es in diesem Bewusstsein zu entwickeln. Wer am bayerischen Gymnasium das Abitur ablegt, soll auch weiterhin einen entscheidenden Schritt in eine erfolgreiche Zukunft getan haben.
  • Doppelter Abiturjahrgang 2011
    Rund 67 000 Schüler legen 2011 ihr Abitur ab. Dabei lässt die Bayerische Staatsregierung die Schüler des doppelten Abiturjahrgangs nicht allein. Sie stellt unter anderem 38 000 zusätzliche Studienplätze bereit. Die Abiturprüfungen des letzten Jahrgangs des neunjährigen Gymnasiums und des ersten Jahrgangs des achtjährigen Gymnasiums wurden zeitlich versetzt abgehalten. Absolventen des neunjährigen Gymnasiums konnten so bereits zum Sommersemester 2011 ein Studium aufnehmen.
  • Ausbau der Sprachförderung: Vorkurse
    Ab dem zweiten Halbjahr des vorletzten Kindergartenjahres erhält jedes Kind, das noch nicht ausreichend deutsch spricht, eineinhalb Jahre Deutschförderung im Umfang von 240 Stunden.