Rede

Rede des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Günther Beckstein anlässlich des Festakts zum 850. Geburtstag der Stadt München am 13. Juni 2006 in den Foyers des Gasteig

Datum der Rede: 13.06.08 Rednerin/Redner: Dr. Günther Beckstein

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

Ihnen allen ein herzliches Grüß Gott zum 850. Geburtstag Münchens!

Für diese Geburtstagsfeier ist der Gasteig ein denkbar geeigneter Ort. Der „gaache Steig", der jähe Anstieg, steht symbolisch für die Entwicklung der Stadt in den letzten Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten. Diese Entwicklung war beispiellos, auf gut Bayerisch: ganz schön „gaach"! Heute steht die Stadt München auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung und ist trotz ihres fortgeschrittenen Alters jünger und attraktiver denn je.

Hier am Gasteig führt jene Brücke über die Isar, die den historischen Konflikt zwischen Heinrich dem Löwen und Otto von Freising ausgelöst hat und Gegenstand des Ausgleichs von 1158 war. In diesem Fall war eine Brücke die Ursache für einen Gewaltakt. Normalerweise aber verbinden Brücken.

Diese Verbindung, ja diese Verbundenheit kennzeichnet auch das Verhältnis zwischen dem Freistaat Bayern und der Stadt München: München ist unsere Landeshauptstadt. Beide, Bayern und München, sind weltweit bekannt. Die Stadt durch ihre Kultur, das Oktoberfest, das Hofbräuhaus. Bayern als High-Tech-Land, als Wissenschaftsland, als Land großer Kunst und landschaftlicher Schönheit. München und Bayern, Landeshauptstadt und Freistaat - beide haben einen guten Klang in der Welt, beide profitieren voneinander und ergänzen einander. Auch im Fußball spiegelt sich dieses fruchtbare Miteinander wider: Der erfolgreichste bayerische Verein kommt aus München und führt beide, den Freistaat und die Landeshauptstadt, in seinem Vereinsnamen. Durch seinen Erfolg hat er den Namen Bayerns und Münchens in die Welt hinausgetragen.

Natürlich ist die Bayerische Staatsregierung ganz Bayern verpflichtet. Aber ebenso natürlich will die Bayerische Staatsregierung, dass die Landeshauptstadt leuchtet. Daher bringt der Freistaat viele Sterne am Firmament über München zum Leuchten.

  • Der Freistaat hat einen ganz wesentlichen Anteil an der Kunststadt München - ich nenne nur das weltberühmte Museumsquartier mit seinen Museen, den Pinakotheken und der Sammlung Brandhorst als aktuellem Vorhaben.
  • Ähnliches gilt für Musik und Theater: Der Freistaat betreibt die Staatsoper, das Staatsschauspiel und das Staatstheater am Gärtnerplatz. Ein schönes Geburtstagsgeschenk ist in diesem Zusammenhang das Cuvilliés-Theater, das in einer beispiellosen Solidaraktion zwischen unserer aktiven Münchner Bürgergesellschaft und dem Freistaat Bayern saniert wurde und morgen Mittag wiedereröffnet wird.
  • Der Medienstandort München trägt die Schriftzüge des Freistaats: Erst im vergangenen November haben wir beispielsweise den Grundstein für die neue Hochschule für Film und Fernsehen gelegt.
  • Für den Hochschul- und Forschungsstandort München legt der Freistaat sich ins Zeug: Die LMU, die TU, Garching, Weihenstephan, Martinsried - das alles sind international renommierte Stätten der Forschung und Lehre, um die man uns beneidet!
  • Und ich verhehle es nicht, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister: Der Freistaat hätte der Stadt München auch gerne eine Anbindung an ihren Flughafen ermöglicht, die der Innovations- und Zukunftsfähigkeit der Stadt entspricht. Daran sieht man, München macht es einem bisweilen schwer, den vielen freistaatlichen Sternen einen weiteren hinzuzufügen.

Die traditionelle bayerische Freundlichkeit und Freigebigkeit gegenüber München feiert übrigens in diesen Tagen auch ihr Jubiläum, das 160.: Am 4. Juni 1848 nämlich hat Bayern, damals noch Königreich, gegenüber der Stadt ein für alle Mal auf den Brückenzoll für die Ludwigsbrücke verzichtet!

Meine Damen und Herren, München ist eine Stadt der Geschichte und der Zukunft, eine Stadt der Innovation und der Tradition, eine Stadt der Offenheit und der Toleranz. Sie gilt als die nördlichste Stadt Italiens, als „Isarathen" und erscheint im Werk des Schriftstellers Ludwig Aurbacher gar als „Sitz der Weisheit". Mit einem Wort: München ist eine anregende, eine lebenswerte und eine bezaubernde Schönheit.

Doch auch die bezauberndste Schönheit hat manchmal einen Schönheitsfehler. Im Falle Münchens besteht dieser Schönheitsfehler in einer Diskrepanz zwischen den politischen Verhältnissen und dem Münchner Wappen. Das Münchner Kindl ist nämlich nur an den Füßen rot, ansonsten aber komplett schwarz. Diese Diskrepanz schreit nach Veränderung, Herr Ude! Wir werden uns alle Mühe geben, diesen Schönheitsfehler zu beheben und in München wappenkonforme politische Verhältnisse herzustellen.

Aber ganz unabhängig davon wünsche ich München, dass es auch in Zukunft Weisheit und Schönheit für sich beanspruchen kann.

Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Abend. Alles Gute zum Geburtstag, Landeshauptstadt München!

 
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